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DJV-Tagung „Besser Online“: Die Nachlese

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Als jemand, der an der Organisation beteiligt war, bin ich mit Sicherheit nicht objektiv. Aber ich denke, die mittlerweile vierte DJV-Tagung „Besser Online“ war ein großer Erfolg. Rund 150 Online-Journalisten aus ganz Deutschland kamen am Samstag, 18. Oktober 2008, in die Hamburger Handelskammer, wo eine Podiumsdiskussion mit mehreren Chefredakteuren und acht Workshops geboten wurden.

Manche organisatorische Details können beim nächsten Mal mit Sicherheit geschmeidiger laufen. Aber die Reaktionen während und nach der Tagung entsprachen größtenteils dem netten Feedback einer Teilnehmerin, die mir folgenden Kommentar schickte: „Die Mischung aus Podiumsdiskussion, Workshops und der abschließenden Polemik war sehr gelungen, die Teilnehmer und die Atmosphäre auf der Tagung frisch und äußerst kommunikationsfreudig. Ich habe viele Anregungen mitgenommen!“

Einen guten ersten Eindruck geben die getwitterten Live-Eindrücke, die hier abrufbar sind.

pjebsen twittert

pjebsen twittert (Foto: qwasi)

Meine Twitter-Kommentare während des Firmenbesuchs bei Google:

  • Bei Google HH heißt die Kantine „Kombüse“. Die ist für die „Google 7“ verantwortlich. So viele Kilos nimmt ein neuer Mitarbeiter zu.
    3:08 PM
  • Wann Google Street View in Deutschland online geht, ist noch geheim. Die Google-Fahrzeuge sind aber schon unterwegs.
    3:44 PM
  • Mit Google Street View aufm Handy wird man den Abstellort seines Autos markieren können, um es wiederzufinden.
    3:49 PM
  • Google hat vor, bei YouTube irgendwann auch die Rechteinhaber an Werbeeinnahmen zu beteiligen.
    4:18 PM
  • Wie jeden Freitag und wie in den USA treffen sich jetzt die Google-Mitarbeiter in der Kombüse zu „TGIF“ (Thank God It’s Friday).
    4:22 PM

Wer sich schon vorher gut mit Google auskannte, dem verriet Google-Pressesprecher Stefan Keuchel in der „Kombüse“ wenig Neues. Interessant fand ich die erst kürzlich eingeführte Suchanalyse Insights for Search interessant. Ansonsten erinnerte mich Keuchels Präsentation daran, dass es sich lohnen könnte, die Liste der weniger bekannten Google-Produkte sowie die Hilfe-Seite etwas sorgfältiger durchzuarbeiten.

Oder kanntet ihr das Feature „Zugverbindungen“? (Wenn man bei Google z. B. einfach nur die beiden Suchbegriffe „Hamburg“ und „Berlin“ eingibt, erhält man automatisch einen Link zur nächstbesten Bahnverbindung zwischen beiden Städten.

Einen schönen Blog-Beitrag zum Thema findet ihr übrigens bei Commonspage.net. Zitat: >> Google ist lieb. Sogar ein bisschen niedlich. Eigentlich ist Google wie Knut. Komplett mit flauschigem Fell und großen Kulleraugen. Der Konzern will nur spielen und alle lieben Google. Außer den Journalisten vielleicht, die rummäkeln von wegen Datenkrake, Monopol, ist uns nicht geheuer etc. <<

Meine Twitter-Kommentare während des Eröffnungspodiums mit Wolfgang Büchner (Chefredakteur Spiegel Online), Stefan Keuchel (Pressesprecher Google Deutschland), Jörg Sadrozinski (Redaktionsleiter Tagesschau.de), Jochen Wegner (Chefredakteur Focus Online) und Manfred Hart (Chefredakteur Bild.de):

  • M. Hart (BILD.de) will in einem Jahr SpOn schlagen. Spiegel-Online-Chefredakteur Wolfgang Büchner: „IVW ist kein Problem, solange Sie uns nicht auch qualitativ überholen!“
    10:40 AM
  • Apropos „Schlagen“: Focus.de-CR Jochen Wegner will mit einem eigenen Nachrichtenaggregator Google News schlagen.
    10:48 AM
  • Jochen Wegner: „40 % des Traffics von Focus.de stammen von Google. Bei anderen sind es sogar 60 bis 70 %.“
    11:05 AM
  • Stefan Keuchel: Google beeinflusst Sprache. Um in Google News zu landen, werden Überschriften weniger blumig formuliert.
    11:08 AM
  • Stefan Niggemeier fragt Manfred Hart, warum ein paar seiner BILDblog.de-User Fehler schneller finden als Millionen von BILD-Lesern.
    11:32 AM
  • Manfred Hart: Eine automatisierte Qualitätskontrolle wie bei Focus.de ist derzeit „technisch nicht möglich“ (mit ;-) gesagt).
    11:38 AM

Durchs Eröffnungspodium ließ sich der von Peter Turi (und „Besser Online“-Mitorganisator Thomas Mrazek) als „Motzblogger“ bezeichnete Felix Schwenzel übrigens dazu hinreißen, eine „Ode an Jochen Wegner“ zu verfassen. Sein Blogger-Kollege Peter Schink berichtete ebenfalls übers Podium und das dort diskutierte „Google-Bashing“.

Danach besuchte ich den Workshop „Besser geregelt“, ein Streitgespräch zwischen Stefan Niggemeier (s. u., links), Medienjournalist und Blogger, und Lutz Tillmanns (rechts), Geschäftsführer des Deutschen Presserats, zur Online-Zuständigkeit des Deutschen Presserats. Moderiert wurde das Ganze von Thomas Mrazek Mitte).

Workshop "Besser geregelt?"

Felix Schwenzel meinte dazu hinterher: >> nach der diskussion zwischen stefan niggemeier und lutz tillmanns kam ich zur erkenntnis, dass der deutsche presserat „kokolores“ ist. leider hab ich das auch laut gesagt. <<

Am Samstagnachmittags legte ich eine Twitter-Pause ein, da ich den „Besser mitmachen“-Workshop mit Dr. Martin Huber (myheimat.de) und Stephan Uhrenbacher (Qype) moderierte.

Ein paar Details:

  • myheimat.de hat ein Redaktionssystem in der Pipeline, mit dem jeder User seine Beiträge in Zeitungsform layouten kann.
  • Stephan Uhrenbacher berichtete, er habe ganz zu Anfang auf eigene Kosten alle „Gelbe-Seiten“-Einträge lizenziert, die er von Freunden und Bekannten bewerten lassen wollte. Dieser Qype-Vorläufer funktionierte überhaupt nicht. Daher trat er das erste Konzept und die damit verbundenen Investitionen fast komplett in die Tonne (meine saloppe Auslegung) und wagte mit einem stärker auf Community ausgelegten Konzept einen Neuanfang. Der Rest ist Geschichte.
  • Dr. Martin Huber hat über den „Besser mitmachen“-Workshop einen Blog-Eintrag verfasst.
  • Stephan Uhrenbacher twitterte nach dem Workshop: „Gratuliere zu einer hervorragenden Veranstaltung!“

Finales Highlight war die Schlussbetrachtung von Stefan Niggemeier, die dieser mit dem bezeichnenden Titel „Schlechter Online“ versah.

Kernthese:
>> Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht. <<

Acht Unterthesen:

  • Online-Journalisten müssen nicht schreiben können.
  • Redigieren und Korrigieren ist optional.
  • Jedes Medium wird im Internet zum Boulevard-Medium.
  • Relevanz ist kein Kriterium.
  • Berichtet wird, was mühelos zu recherchieren ist.
  • Redaktion und Werbung müssen nicht so genau getrennt werden.
  • Warum ein gutes Foto zeigen, wenn es auch 100 schlechte tun?
  • Klicks gehen immer vor Qualität.

Sehr amüsante Beispiele für diese Thesen sind in Niggemeiers Blog nachzulesen.

„Besser Online“: Das Echo in anderen Blogs

Written by Peter Jebsen

23. Oktober 2008 um 12:30

9 Antworten

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  1. Mit diesem Artikel werde ich mich wohl etwas länger beschäftigen ..
    von link-wegen ;)

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    Nirak

    23. Oktober 2008 at 16:43

  2. @NiRAk: Na, dann viel Spaß! ;-)

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    pjebsen

    25. Oktober 2008 at 19:18

  3. […] “Besser online” verpasst? Die Dokumentation der DJV-Tagung (meine Nachlese steht hier) ist jetzt unter http://www.besser-online.info […]

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  4. […] durch Google News zugeschaufelt wird. Focus.de-Chefredakteur Jochen Wegner erklärte bei „Besser Online 2008“: “40 % des Traffics von Focus.de stammen von Google. Bei anderen sind es sogar 60 bis 70 […]

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  5. […] Bericht aus 2008: „DJV-Tagung „Besser Online“: Die Nachlese“. 2009 konnte ich nicht bloggen, da ich selbst zwei Podien moderierte – hier Links zu Berichten […]

    Gefällt mir

  6. […] Frühere Beiträge über “Besser Online” So war “Besser Online 2014”: Die Twitter-“Presseschau” zu #djvbo Save the Date: Besser Online 2014 in Berlin (und Rückblick auf 2013 in Mainz) “Besser dokumentiert” (2008) DJV-Tagung “Besser Online”: Die Nachlese (2008) […]

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