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Fat Lenny’s in Ottensen: Viel Smoke um nichts

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Kombi mit drei Fleischsorten: Pulled Pork, Ribs, Brisket (Foto: Peter Jebsen - alle Rechte vorbehalten)

Kombi mit drei Fleischsorten: Pulled Pork, Ribs, Brisket (Foto: Peter Jebsen – alle Rechte vorbehalten)

Bahrenfelder Str. 221
22765 Hamburg
Tel.: (040) 33310102
fatlennys.com

Auf Fat Lenny’s stieß ich, als ich die Episode der TV-Serie „No Reservations“ sah, in welcher der reisende und schreibende US-Koch Anthony Bourdain Austin/Texas besuchte, einen meiner Lieblingsorte in den Südstaaten. Bei seinem Zug durch die großartigen Barbecue-Restaurants der Stadt bekam ich plötzlich einen BBQ-Jieper; und ich schaute nach, ob es vielleicht in Hamburg neue Vertreter dieser Richtung gibt.

Die Beschreibungen von Fat Lenny’s lasen sich bei Yelp und auf der eigenen Website sehr appetitlich. Die Wirklichkeit hatte gestern aber leider mit dem Werbespruch „Das Feinste, was die Smoker hergeben“ rein gar nichts zu tun.

Ich wählte die große Kombi für 15,50 Euro mit drei Fleischsorten und einer Beilage. Nur Letztere (Mac & Cheese) war einwandfrei, keines der drei anderen Gerichte – die, wie schon ein anderer Bewertungsautor vermutete, vielleicht schon zu lang in der Auslage gelegen hatten – konnte überzeugen. Angefangen damit, dass sie allesamt keinerlei rauchigen Smoker-Geschmack aufwiesen.

Die Ribs, bei denen sich laut Prospekt das Fleisch mit einem Finger vom Knochen lösen lassen soll, hatten kaum Fleisch zum Ablösen. Dass bisschen, das ich fand, war trocken. Ebenso wie Teile der Brisket (Rinderbrust), andere wiederum waren zäh.

Auch dem Pulled Pork fehlten sämtliche Eigenschaften der Fat-Lennys-Werbeversprechungen: „zart und saftig mit würziger Kruste und feinem Raucharoma“. Es war teilweise ebenfalls zäh und fast ohne Würze. Nicht einmal der dazu gereichte Cole Slaw hatte irgendwelchen geschmacklichen Biss. Am schmackhaftesten waren Mac & Cheese (übrigens kein Big Mac mit Käse, sondern Macaroni and cheese) und das Brot (mit eingebackenen getrockneten Tomaten).

„Eigentlich“ ist diese Art von Barbecue eher simpel, zumindest im Vergleich zu gehobeneren (filigran und individuell gestalteten) Tellergerichten. Man braucht „nur“ qualitativ hochwertiges Fleisch, Know-how über Gartemperaturen und -zeiten sowie gute Würzrezepturen. Wenn man das einmal drauf hat, kann man das – so wie die von Bourdain besuchten Läden Franklin Barbecue und JMueller BBQ (heute: La Barbecue) in Austin – jahrzehntelang unverändert durchziehen. Das, was wir gestern bei Fat Lenny’s vorgesetzt bekamen, war Galaxien davon entfernt. (Die beiden Mitspeisenden des gestrigen Abends empfanden das genauso.)

Der gestrige Reinfall ist um so bedauerlicher, als Fat Lenny’s sonst viele Voraussetzungen für einen dauerhaften Erfolg erfüllt: Das Fleisch stammt laut Eigenaussage von Höfen aus der Region mit Freilandhaltung, das Fake-USA-Ambiente ist gefällig, die Service-Kräfte sind überaus freundlich und hilfsbereit (wenn auch zu selten an den Tischen präsent), die neun BBQ–Saucen mit schönen Namen wie „Mustard Bastard“ und „Hottensen Honey“ schmecken bestens, und es gibt ausschließlich Craft Beer.

Ich vergebe dennoch, was bei solch sympathischen Läden selten der Fall ist, nur zwei Punkte von möglichen fünf. Bei mir steht eindeutig die Qualität der Speisen im Vordergrund, und die war gestern durchweg unterdurchschnittlich. Das können das netteste Ambiente, der beste Service und das süffigste Craft Beer für mich nicht wieder wettmachen. (Auf den Wein hingegen ist kein Verlass: Der Sauvignon Blanc, der auf der Karte steht, ist wohl generell nicht vorrätig. Die Karte sei da fehlerhaft, meinte ein Kellner.)

Noch ein paar Infos: Das Essen bestellt man am Tresen vorn im Restaurant. Das mag nervig wirken, hat aber den Vorteil, dass man die Speisen in Augenschein nehmen kann (zumindest ein theoretischer Vorteil – gestern Abend hat das nichts gebracht). Abgeräumt wurden die Tische gestern nicht, das mussten wir selbst erledigen.

Früher befand sich an der Location die New Essbar, in der großartige wöchentliche Jam-Sessions liefen. Diese Metro-Session wird im Fat Lenny’s offenbar zumindest monatlich fortgesetzt.

P. S.: Als Gelegenheit, endlich mal Fast Lenny’s zu besuchen, hatte ich mir gestern das Event „Public Viewing // KickOff MasterChef 1.Episode“ ausgesucht. Es war leider wirklich nur ein Public Viewing, aber kein Public Hearing. Der Fernsehton zur Sendung des Abends war meist so leise, dass man nichts verstand.

Written by Peter Jebsen

4. November 2016 um 14:29

2 Antworten

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  1. Schade, wollte das ganze so gern mal ausprobieren.
    Gibt wohl einen Grund wieso Anthony Boudain noch nicht in Ottensen war.
    Aber geile geile Headline.😉

    Gefällt 1 Person

    fleischfee

    6. November 2016 at 2:37


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