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Warum der Deutsche an sich keine Kinokultur hat

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Günter Rohrbach: "Die Bequemlichkeit siegt über die Wahrheit" (Screenshot)

Günter Rohrbach: "Die Bequemlichkeit siegt über die Wahrheit" (Screenshot)

Film- und Fernsehproduzent Günter Rohrbach nennt in seinem lesenswerten Aufmacher des heutigen Süddeutschen-Feuilletons einen der Gründe für die grässliche deutsche Unsitte, ausländische Kinofilme mit deutscher Synchronisierung zu verstümmeln – und auch ausländische Akteure in deutschen Produktionen stets deutsch reden zu lassen: „Die Bequemlichkeit siegt über die Wahrheit“ (Unterzeile: „Warum die Filmproduktion hierzulande so tut, als würde die ganze Welt deutsch sprechen“).

Seine Kernaussagen:

>> Im Bewusstsein, über die Weltsprache des Kinos zu verfügen, hat sich im amerikanischen Film wie nirgends sonst sprachliche Authentizität mit idiomatischem Reichtum verbunden. Soweit die Filme in den USA spielen – und das sind ohnehin die meisten – ist in ihnen die Vielfalt der Dialekte und Akzente ebenso präsent wie das Spektrum ethnischer Besonderheiten. <<

>> Von solcher Klarheit des Stils ist der deutsche Film leider weit entfernt. Zwar arbeitet man auch hier auf der Ebene der Bilder mit äußerster Präzision, da stimmt jedes Detail, da scheut man keine Kosten, um dann im Zweifel bei der Sprache alles wieder zunichte zu machen. Sprache ist in den meisten deutschen Filmen kein selbstverständlicher Teil der Wirklichkeit. Und skandalöserweise scheinen das inzwischen alle akzeptiert zu haben, die Zuschauer, die Macher und selbst die Kritiker. Die eigenen Produktionen schreiben in fataler Konsequenz das fort, was uns die Synchronisationen ausländischer Filme vorgespiegelt haben. Überall in der Welt spricht man deutsch. Im richtigen Leben glauben das nur die Kinder. <<

>> Nichts ist den Menschen schwerer auszutreiben als schlechte Gewohnheiten. Offenbar ist der Wunsch nach Bequemlichkeit stärker als der nach stilistischer Wahrhaftigkeit. Dennoch gibt es in einigen deutschen Großstädten inzwischen Kinos, die konsequent Originalversionen zeigen. Leider sind es, anders als in Paris, gemeinhin nicht die besten Häuser. Es wäre zu wünschen, dass sich wenigstens das langsam ändert. Im Fernsehen freilich wird man wohl weiterhin auf unseren Kinderglauben vertrauen. <<

Wie absurd es ist, ausländische Schauspieler eines ihrer wichtigsten Werkzeuge zu berauben (= der Stimme), zeigt mein Lieblingsvergleich: Kein ernsthafter Soul-Fan, der nur schlechtes Englisch spricht, würde auf die Idee kommen, sich Marvin Gayes „What’s Going On“ in einer deutschsprachigen Version von Xavier Naidoo anzutun.

Written by Peter Jebsen

30. Mai 2011 um 22:58

2 Antworten

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  1. Untertitelt? Wie kommst du zu dieser Aussage? Das wäre ja schön, fast immer wird leider „synchronisiert“. Wieso soll deshalb der Deutsche „an sich“ keine Kinokultur haben? „Der Italiener“ und „der Franzose“ haben dann in der Folge auch keine Kinokultur, weil sie auch größtenteils die Filme synchronisieren?

    Selten habe ich, mit Verlaub, so einen Mumpitz in so wenigen Zeilen gelesen.

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    vilmoskörte

    31. Mai 2011 at 1:13

  2. @vilmoskörte: Danke, dass du den Beitrag genauer gelesen hast als ich nach dem Schreiben – natürlich meinte Rohrbach die „Unsitte, ausländische Kinofilme mit deutscher Synchronisierung zu verstümmeln“.

    Synchronisierung ist für mich Kulturfrevel.

    Gefällt mir

    pjebsen

    31. Mai 2011 at 10:08


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