www.Sozialgeschnatter.de

(beta)

Nachtrag zu „Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten“

with 5 comments

Gerhard vom Blog Profilneurosen wies in einem Kommentar zu meinem Blog-Beitrag „Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten“ auf seinen eigenen Blog-Artikel „Lebenswelt Facebook“ hin.

Darin heißt es u. a.: >> Genau dieser Umstand [dass man seine Facebook-Statusmeldung nicht an bestimmte “Zielgruppen” schicken kann] ist der Punkt, warum sich viele Essayisten über die Kakophonie auf Facebook beschweren. Es geht weniger um die Summe der Äußerungen, sondern um Belanglosigkeit oder erzwungenes Entertainment. Belanglosigkeit wird aber knallhart bestraft, indem eben nichts passiert. Keine Kommentare, keine “like it” Klicks, einfach nur Liebesentzug. <<

Das sagt wieder mal mehr über die „vielen Essayisten“ als über die Facebook-Nutzer aus: Viele der letzteren empfinden ihre Status-Updates sicherlich nicht primär als einen „Schrei nach Liebe“, sondern einfach nur als kurzes Lebenszeichen an alle, die das interessiert.

Wer sich bei Facebook, Twitter & Co. als Aktiver und/oder als Leser über „Kakophonie“, „Belanglosigkeit“ oder „erzwungenes Entertainment“ (@Gerald: Was ist das???) beschwert, ist selbst schuld.

Jeder hat es selbst in der Hand, ob er im Netzwerk seines Vertrauens Belangloses oder Aussagekräftiges verbreitet und/oder abonniert.

Die Stärke der großen Web-2.0-Plattformen liegt gerade in der angeprangerten Kakophonie – auf Sites wie Facebook, Twitter und Qype können nämlich viele Paralleluniversen weitestgehend friedlich koexistieren.

Bei Qype beispielsweise haben Café-Bewertungen von Müttern, deren Hauptaugenmerk darauf liegt, ob es zwischen den Tischen genügenden Manövrierraum für Kinderwagen gibt, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Mich persönlich interessieren sie (derzeit) nicht die (Café-)Bohne. Anstatt mich darüber zu beschweren, abonniere ich die Beiträge solcher Qyperinnen einfach nicht.

Gerhard schreibt weiter: >> Es gibt also eine Facebookpraxis die erlernt werden muss. Mit Trial and Error versucht man seiner Zielgruppe so gut es geht gerecht zu werden. <<

Warum versucht „man“ das, anstatt einfach das zu schreiben, was einem selbst am Herzen liegt? Wen das nicht interessiert, der braucht das ja nicht zu lesen bzw. zu abonnieren.

>> Allen kann man es nie Recht machen, aber vor diesem Problem steht jedes Massenmedium. <<

Facebook ist kein „Massenmedium“, sondern wie Twitter lediglich eine technische Plattform, die jeder Nutzer individuell konfigurieren kann. Wem es darum geht, eine möglichst große Freundesliste zu haben, der muss natürlich versuchen, es möglichst vielen recht zu machen. Wer hingegen genauere Vorstellungen davon hat, wen er bei Facebook erreichen will, der kann seine „Zielgruppe“ entsprechend einschränken.

Gerhard schließt mit diesen Worten: >> Damit der Artikel nicht zu lang wird möchte ich mit einem Gedanken schließen und beim nächsten Mal hier fortführen: Kollegen mit denen man meist nur systemische Kommunikation z.B. aus Wirtschaft pflegt, sind auf Facebook plötzlich der Empfänger von Nachrichten aus der Lebenswelt. Was passiert nun… <<

Das sind die Kollegen nur dann, wenn man sie selbst zu Empfängern macht. Man muss die eigene Web-2.0-Präsenz halt genauso sorgfältig planen wie berufliche und private E-Mail-Verteiler, Party-Einladungen etc.

Dazu gehört, sich genau zu überlegen, ob man z. B. all diejenigen, mit denen man sich bei Xing in beruflichen Netzwerken austauscht, auch in den (möglicherweise eher privat orientierten) Facebook-Freundeskreis aufnehmen will.

Genauso kann man bei Twitter bewusst entscheiden, die eigenen Updates zu „sperren“ (also nur für ausgesuchte Abonnenten freizuschalten).

Facebook ist also ebenso wenig wie Twitter eine „Lebenswelt“, sondern – richtig genutzt – lediglich ein Verbreitungsweg, bei dem man selbst entscheiden kann, was man verbreiten will.

Written by Peter Jebsen

4. November 2009 um 9:30

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Hallo PJ,

    danke für den Beitrag, hat mich bei der Frage, was fb ist, weitergebracht.

    Gruß

    hp

    Gefällt mir

    Hardy Prothmann

    1. Januar 2010 at 21:14

  2. Auch wenn Deine Einlassungen zu facebook, twitter & Co. mir etwas sehr unkritisch erscheinen – „Facebook ist kein „Massenmedium“, sondern wie Twitter lediglich eine technische Plattform, die jeder Nutzer individuell konfigurieren kann.“ -, danke für Dein besonnenes Statement. emamedia

    Gefällt mir

    emamedia

    27. Mai 2010 at 3:13

  3. @emamedia: Welche deiner Meinung nach kritischen Bereiche von Facebook, Twitter & Co. habe ich ignoriert?

    Gefällt mir

    pjebsen

    27. Mai 2010 at 22:37

  4. Was Du ignoriert hast, vermag ich nicht zu sagen. Hilfreich könnte aber folgendes sein:
    Die bei Wikipedia hinterlegten Informationen, Facebook habe 2009 zahlreiche Maßnahmen zu Jugendschutz und Schutz für die Privatsphäre seiner Teilnehmer vorgenommen, wurde u.a. durch Heise online zumindest in Frage gestellt (03.02.2010). http://www.heise.de/newsticker/meldung/Was-Facebook-ueber-Nicht-Mitglieder-weiss-921350.html Inzwischen sind es 23427 Menschen, die über die kanadische Initiative „We’re quitting facebook“ (Stichtag: 31.05.2010) dieses Netzwerk verlassen wollen.
    Im übrigen finde ich allerdings, daß das soziale Netzwerk Facebook inzwischen ein Massenmedium ist – denke ich nur an die weltweit 450 Millionen Mitglieder und zahlreiche andere Medien, die nicht darauf verzichten, auf ihr Profil bei Facebook zu verweisen.

    Gefällt mir

    emamedia

    28. Mai 2010 at 21:22

  5. @emamedia: Die Schuld an den „überraschend guten Informationen“, die Facebook über Nichtmitglieder hat, liegt an dem sträflichen Leichtsinn von Ignoranten, die Facebook erlauben, ihr privates Adressbuch zu durchforsten.

    Die Initiative http://www.quitfacebookday.com/ mag von ehrenwerten Motiven angetrieben sein. Aber mich überzeugen sie nicht.

    Gefällt mir

    pjebsen

    28. Mai 2010 at 22:02


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: