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Twittern von der Tagung (Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche 2009, Tag 2)

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Jahrestagung des Netzwerk Recherche 2009

Jahrestagung des Netzwerk Recherche 2009

Der Microblogging-Dienst Twitter hat bei der Jahreskonferenz der Journalistenorganisation Netzwerk Recherche mal wieder sein Potenzial unter Beweis gestellt. Statt des sonst oft üblichen „Sozialgeschnatters“ bot er für Teilnehmer und andere Interessierte wirklich Hilfreiches: Anwesende konnten auf dem Laufenden bleiben, was in den anderen Diskussionsforen passierte; Nichtteilnehmer bekamen quasi live die Highlights mit. Die werde auch ich noch mal durchforsten, denn in den Nachrichten anderer twitternder Kollegen stecken manche interessanten Infos und Links (abrufbar per Search.Twitter.com).

Dank Twitter kann ich mir das Schreiben eines ausführlichen Berichts sparen ;-) – hier meine (teilweise ergänzten) Twitter-Nachrichten in chronologischer Reihenfolge:

Freitag, 5. Juni, 17.15 Uhr
Reporter-Forum „Was treibt einen Reporter an?“

Mit Cordt Schnibben (Spiegel), Holger Gertz (SZ), Klaus Brinkbäumer (Spiegel), Stephan Lebert (Zeit), Ullrich Fichtner (Spiegel) Moderator Ariel Hauptmeier (Reporter-Forum)

Cordt Schnibben (Spiegel) zitiert seine Freundin: "Du schreibst, um geliebt zu werden. Aber je besser du wirst, desto mehr wirst du gehasst!"

Samstag, 6. Juni, 9.30 Uhr
Begrüßung durch NDR-Intendant Lutz Marmor

NDR-Intendant Lutz Marmor lobt den ARD-"Weltspiegel", kennt aber nicht mal den Sendeplatz (19.20, nicht 19.30 Uhr).

10 Uhr
Eröffnungrede von Heribert Prantl (SZ): „Journalismus zwischen Morgen und Grauen“

Heribert Prantl (Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche 2009)

Heribert Prantl zu Subventionen für Medienunternehmen und dadurch möglichen Abhängigkeiten: Es reicht, wenn die Politik den ZDF-Intendanten auswählt. So etwas muss nicht auch noch bei der Besetzung der taz-Chefredaktion geschehen.

Prantl: Blogger waren in der Bush-Ära eine demokratische Selbsthilfe gegen die neokonservative Verschwörung.

Prantl: "Pressefreiheit ist nicht die Freiheit, Redaktionen auszupressen."

11.45 Uhr
Politiker als Kontrolleure – Wie unabhängig können Medien sein?

Mit Nikolaus Brender (ZDF), Prof. Dieter Weirich (fraport), Marc J. Eumann(SPD, MdL), Dr. Werner Hahn (Justitiar NDR), Moderation: Hans-Jürgen Jakobs (CR sueddeutsche.de)

Ist Marc J. Eumann (SPD) auf irgendeinen Input stolz, den er als WDR-Rundfunkrat hatte? "Stolz ist keine Kategorie, mit der ich umgehe." Klar.

Nikolaus Brender: In DAX-Firmen müssten Verwaltungsräte gehen, die ähnlich direkten Einfluss ausüben, wie es bei Öffentlich-Rechtlichen üblich ist.

NDR-Justiziar Dr. Werner Hahn: Der wahre Skandal der Brender-Kontroverse ist der "verfassungswidrige" ZDF-Staatsvertrag.

Prof. Dieter Weirich (fraport): Die ZDF-Situation ist durch den "schwarz-roten Harmonie-Terror" so "markant".

Weirich: Wg. der Quoten haben die Ö.-R. bei den Politikern an Bedeutung verloren." (Hat eh niemand geguckt, Beschwerde unnötig.)

Brender fordert eine „Befangenheitszeit“: In Wahlzeiten sollten sich Politiker in den ö.-r. Gremien zurückhalten.

Eumann fordert öffentliche Gremiensitzungen und kritisiert Sponsoring einer CDU Media Night durch ARD und ZDF.

13.45 Uhr
Vergabe der Verschlossenen Auster / Rede auf den Preisträger von Rudolf Hickel, Direktor des Institutes Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen

Der Preis "Verschlossene Auster" für den Informationsblockierer des Jahres geht an den Bundesverband deutscher Banken.

Bemerkenswert: Prof. Dr. Manfred Weber vom Bundesverband deutscher Banken nimmt die Verschlossene Auster selbst entgegen.
Weber & Auster
Prof. Dr. Manfred Weber mit Auster (Mitte)

14.15 Uhr
Rendite statt Recherche: Ist der Journalismus noch zu retten?

Mit Hans-Jürgen Jakobs, (CR sueddeutsche.de), Jakob Augstein (Freitag), Stefan Niggemeier (bildblog), Robin Meyer-Lucht (Berlin Institute), Wolfgang Michal (Journ.), Moderation: Benno Stieber (Journ.)

Warum können ausgerechnet Journalisten keine prägnanten Fragen stellen, sondern geben statt dessen so häufig nur holprige Statements ab?

15.30 Uhr
Leserreporter: Journalismus auf dem Weg zur Spitzelpresse?

Mit Dr. Christian Schertz (RA), Christoph Neuberger (Uni Münster), Christoph Schultheis (Journ.), Ilona Ammann (Uni München), Catrin Kahlweit (SZ), Moderation: Birgit Kolkmann (DLR Kultur)

Ein aktiver "Leserreporter" könnte in zwei Minuten wohl mehr Erhellendes über seine Motive etc. erzählen, als es fünf Profis in den letzten 20 Minuten getan haben.

15.30 Uhr
Erkennen von Fälschungen in Bildern und Videos

Mit Sebastian Möricke-Kreutz (dpa)

Die von Sebastian Möricke-Kreutz erwähnte Fotosuchmaschine TinEye.com zum Aufspüren von Fakes etc. sieht interessant aus.

16.45 Uhr
Geklaute Fotos, verletzte Intimsphäre – Medien ohne Moral?

Mit Frank Nipkau (Winnender Zeitung), Georg Mascolo (Spiegel), Nikolaus Brender (ZDF), Manfred Protze (Presserat), Hans Müller-Jahns (MDR), Gisela Mayer (Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden), Moderation: Kuno Haberbusch (NDR)
Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte
Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte
(von links: Fest, Protze, Nipkau, Haberbusch, Mayer, Müller-Jahns, Mascolo)

Dr. Nikolaus Fest (BILD) wirft Frank Nipkau (Winnender Zeitung, zitiert unter anderem von Mediengrummel) "standeswidrige Verlogenheit" vor.

Nipkau: Man kann eine gute, emotionale Zeitung machen, ohne die Opfer zu verletzen. BILD habe "Gewaltpornografie" betrieben.

Lt. Manfred Protze (Presserat) gibt es zum Klauen von Fotos aus sozialen Netzwerken "noch keine Spruchpraxis". Dann wird’s Zeit!

Flammender Appell von Kuno Haberbusch an die ethische Selbstverantwortung von Journalisten erhält Szenenapplaus.

Fazit: Trotz manch optimierungsfähigen Panels: Die Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche war wieder interessant und inspirierend. Teilweise erschreckend war jedoch die Ignoranz mancher Verlagsvertreter und Journalistenkollegen in Bezugs auf das Internet und speziell die Bloggerszene. So wird das nichts mit dem Weg aus der Krise.

Materialien aus den Workshops zum Thema „Computer & Recherche“ finden sich im Blog Journalismus & Recherche, hoffentlich bald auch die lesenswerten „Minimalstandards der Online-Recherche“ von Albrecht Ude und Ulf Grüner.

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