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Häuptling Eigener Herd: Vincent Klink und Wiglaf Droste über „Kinder“

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Am Wochenende traf bei mir Ausgabe 38 von Vincent Klinks und Wiglaf Drostes „kulinarischer Kampfschrift“ „Häuptling Eigener Herd“ ein, die sich ums Thema „Kinder“ dreht und von Guido Sieber vortrefflich illustriert wurde.

Beim ersten Durchblättern entdeckte ich gleich drei zitierenswerte Passagen.

Die erste ist eine Art Vorbemerkung von Vincent Klink auf Seite 3, die gut zum Leitthema „Kinder“ passt:

>> Was immer meine Mutter bewog, nach der Methode Knaus-Ogino zu verhüten: Ich danke ihr dafür. <<

Sehr lesenswert ist auch ein Interview, das Vincent Klink mit sich selbst geführt hat („Kinderfraß, kein Spaß“, Seite 73):

Ein paar Zitate aus den intelligenten Anworten auf seine eigenen, ebenso intelligenten Fragen ;-) :

>> Kinder neigen zur Nachahmung. Die Eltern müssen ihnen deshalb das richtige Essverhalten vorleben, indem sie einfach sagen: Du isst das, was wir essen. Und wenn du keine Lust hast, dann lässt du es bleiben. Man sollte das Kind zu nichts zwingen, sondern einfach anbieten. Wird es nicht genommen, dann ist das die Entscheidung des Kindes. Wenn es zum Beispiel Rührei mit Spinat und Kartoffeln gibt, und das Kind will keinen Spinat, dann isst es halt den Rest. Mir ist nicht bekannt, dass aufgrund dieser Erziehungsmaßnahme jemals ein Kind verhungert wäre. Oft gibt man allerdings viel zu schnell auf. <<

>> Essen ist ein Prozess, der gelernt werden muss, der kommt nicht von selber. Wenn das nicht gelernt wird, hat das Kind ein Entscheidungsdefizit und wird später in der Pubertät Ernährungsmuster nachleben, die vor allen Dingen von Suchtfaktoren bestimmt sind, also Zucker. Daher: Coca-Cola oder Ketchup – weg damit! Zucker ist vor allem auch ein Trostmittel. Das Kind muss sich Trost aber woandersher holen können, nicht nur über den Mund. Belohnungen mit Süßigkeiten sind daher nicht gut. <<

>> [Beim Thema Tischmanieren] will ich mal meine Erfahrungen aus Italien ins Spiel bringen. Dort essen die Familien zumindest an den freien Tagen miteinander, und dabei werden die Kinder am Tisch nicht erzogen. Da ist es einfach das Chaos. Die Eltern nehmen an diesem Chaos nicht teil, die essen normal, und so lernen die Kinder das nach und nach. Ich würde Tischmanieren nicht überbewerten. Es ist jedem Gastronomen lieber, das Kind ist zufrieden, und es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum, als dass das Kind im Lokal erzogen wird, und es entsteht Geschrei, das den anderen Leuten auf den Keks geht. Da sind die meisten deutschen Eltern zu verklemmt. Man muss schon ein bissel drauf hinweisen, aber möglichst keinen Terror veranstalten. <<

>> Ich denke, bis zum siebten Lebensjahr hat sich manifestiert, wie sich ein Kind später zum Genuss verhält. Was es bis dahin nicht gelernt hat, wird später schwierig zu lernen sein. Deswegen ist auch das Igitt-Getue der Erwachsenen völliger Mist. Die Kinder haben ein natürliches Gefühl dafür, was für sie gut ist und was nicht. Es ist auch nicht gut, ein Kind bis zu diesem Alter zum Essen zu zwingen. Es wird in diesem Alter und auch schon bei den Babies übersehen, dass, wenn Kinder etwas nicht mögen, sie es oft einfach nicht vertragen. So werden Allergien oft nicht bemerkt und bis ins Erwachsenenalter hinein mitgeschleppt. <<

Zum Schluss noch ein Zitat von Klinks kongenialem Mitherausgeber Wiglaf Droste aus einem Artikel über Harry Rowohlt als Übersetzer, Hörbuch-Sprecher und Hörspiel-Schauspieler („Hören und Kochen“, Seite 99):

>> Das dümmste aller Komplimente für einen guten Vorleser ist, man lasse sich von ihm sogar das Telefonbuch vorlesen. Was für ein Heidenreich-Ranicki-Quatsch: Eine größere Langeweile ist nicht denkbar: Harry Rowohlt liest, was zu lesen und zu hören lohnt. <<

Ein Abo von „Häuptling Eigener Herd“ könnt ihr bei Buchgourmet.com bestellen, das hier erwähnte Einzelheft gibt’s für 14,90 Euro u. a. bei Amazon.de.

Eine Antwort

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  1. Köstlich. Wir haben immer wieder mal ein Jahresabo.

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    oachkatz

    21. April 2009 at 6:50


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