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TweepMe: “There’s a sucker born every minute” (Twitter-Scam)

with 6 comments

Der Spruch aus der Überschrift wurde lange Zeit dem „Showman“ und Zirkusgründer P.T. Barnum in die Schuhe geschoben, in Wirklichkeit soll er aber nicht von ihm stammen. Egal, ich wurde auf jeden Fall durch die gestrigen „TweepMe“-Nachrichten beim Microblogging-Dienst Twitter an diesen Satz erinnert.

Den etwas naiveren Teil der Twitter-Klientel findet ihr, wenn ihr bei Search.Twitter.com den Suchbegriff „TweepMe“ eingebt.

Jeden User, von dem eine der hier angezeigten gleichlautenden Spam-Nachrichten stammt (z. B.: >> TweepMe – http://www.tweepme.com – the first 5,000 members receive free lifetime subscriptions #TweepMe <<), solltet ihr – eine gewisse kriminelle Energie vorausgesetzt – irgendwo abspeichern.

Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass ihr jedem einzigen dieser Naivlinge auch Original-Viagra, eine nigerianische Erbschaft oder Anteile an der Brooklyn Bridge verkaufen könnt. Oder gar von ihm/ihr mit der richtigen Ansprache viele schöne PINs/TANs erbeuten könnt.

Wichtig ist: Schreibt in der Ansprache irgendwas von „Free“/„Kostenlos“, dann fallen alle Hemmungen.

Zur Vorgeschichte: Am 11. März 2009 begann der Twitter-User bobbr die Promotion für seine Website TweepMe.com. Er empfahl TweepMe als „the fastest way to get Twitter Followers“.

Er versprach jedem, der sich bei TweepMe registriert, dass alle aktuellen und alle zukünftigen TweepMe-Mitglieder seinem/ihrem Twitter-Account „followen“ würden („Follower“ ist die religiös angehauchte und damit ein bisschen dämliche Twitter-Terminologie für „Abonnenten“). Für die ersten 1000/5000/10000 User (das schwankte gestern ständig, wie bei unseriösen Websites üblich) sollte das umsonst („Free!“) sein.

Ein strunzdummes Schneeballsystem, bei dem es nicht mal konkrete Aussicht auf finanziellen Zugewinn gibt (außer bei bobbr – denn der will von denjenigen, die keinen kostenlosen TweepMe-Account ergattert haben, 8,95 Dollar als monatliche Mitgliedsgebühr!). Man hat lediglich Aussicht auf ein paar tausend „Follower“.

Aber warum könnte jemand solche automatisch generierten Abonnenten wollen? Und, noch schlimmer, warum könnte jemand bereit sein, dafür auch noch zu zahlen???

Fragen über Fragen, die man jedem der TweepMe-Kunden stellen sollte, in deren Namen die o. g. Spam-Mail verschickt wurde.

TweepMe verlangt nämlich bei der Registrierung deine Twitter-User-ID und dein Twitter-Passwort. Danach schickt TweepMe sofort in deinem Namen einen Promo-Tweet wie den oben zitierten.

Das heißt: Jeder, von dem ihr bei Search.Twitter.com einen der gleichlautenden Spam-Tweets zum Suchwort „TweepMe“ findet, war so naiv, TweepMe.com sein Twitter-Passwort zu verraten.

Vielleicht gibt es dafür ja auch eine ganz lustige Erklärung. Es könnte schließlich sein, dass bobbr einfach nur ein verdammt cooler Typ aus dem Dunstkreis von „2600 – The Hacker Quarterly“ (kann ich als Ex-Abonnent empfehlen) oder des Chaos Computer Clubs ist, der „TweepMe“ gestartet hat, um uns allen naivitätsbedingte Sicherheitslücken vor Augen zu führen.

Wenn ihr Fragen habt, stellt sie bobbr direkt. Er heißt laut WhoIs-Info seiner Sites (Bobbr.com und TweepMe.com) im bürgerlichen Leben Robert Ullery. Seine E-Mail-Adressen findet ihr auf den verlinkten WhoIs-Seiten.

Written by Peter Jebsen

17. März 2009 um 8:31

6 Antworten

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  1. Gut, dass du immer so ausführlich über Twitter berichtest, dann brauch ich da nicht selber mitzulesen ;-)

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    vilmoskörte

    17. März 2009 at 23:54

  2. Immer gern!

    Der TweepMe-Scam hat für mich großen Unterhaltungswert. Bisher konnte ich noch nicht online im Minuten-Takt beobachten, wie Deppen weltweit auf ein eigentlich völlig durchsichtiges Schneeballsystem hereinfielen.

    Das ist dank „TweepMe“ anders: Wann immer ich ein paar Sekunden Freizeit habe, gebe ich bei http://Search.Twitter.com den Suchbegriff „TweepMe“ ein und erfreue mich an den Naivlingen, die freiwillig Spam-Nachrichten ins Internet absondern.

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    pjebsen

    18. März 2009 at 4:37

  3. Danke für die Info – Du hast ja so recht – bin trotzdem darauf reingefallen…mir fällt gar nichts ein womit ich das jetzt begründe…Deppenhaftes Verhalten ist wahrscheinlich tatsächlich zutreffend…Asche auf mein Haupt!

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    gmmuc

    18. März 2009 at 15:33

  4. […] By pjebsen Hier ist als Ergänzung zum gestrigen Beitrag über den Twitter-Spam-Scam TweepMe ein sehenswertes Video, das den Microblogging-Dienst Twitter erklärt: “Twouble with […]

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  5. […] usually post my blog in my native language (German). But, since writing my initial post on TweepMe (“There’s a sucker born every minute”), I’ve been pretty active in the English-language Twitter debates. And I’ve saved quite […]

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  6. […] TweepMe erwähnt, bei dem man sich Abonnenten für seine eigenen Twitter-Nachrichten kaufen kann (“TweepMe: ‘There’s a sucker born every minute’ (Twitter-Scam)” und “Everything You Always Wanted to Know About #TweepMe … But Were Afraid to […]

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