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Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten

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„Allein unter Freunden“ überschrieb die Süddeutsche Zeitung heute einen ziemlich überflüssigen Artikel über das angeblich „jugendliche Onlinenetzwerk Facebook“.

„Jugendlich“ ist ein Attribut, das offenbar gern vergeben wird, wenn man ein Online-Phänomen wie Facebook nicht so recht versteht. Oder wenn man Twitter zu „schnell und etwas spröde“ findet. Twitter ist nämlich, so behauptet Autor Georg Diez, „für 20-Jährige“. (Danke für das Kompliment!)

Auch die von Diez zitierten gewagten wissenschaftlichen Thesen zum Thema Facebook (über „ambient awareness“ und „Überwachung wie in einer Kleinstadt“) zeigten allenfalls, welche Probleme manche Soziologen (so wie auch manche Journalisten) mit Communities haben, in denen sie sich nicht zu Hause zu fühlen scheinen.

Twitter, Facebook & Co. sind eben keine eigenständigen Medien, die man auf irgendwelche typischen Charakteristiken eindampfen kann. Vor allem Twitter ist einfach nur ein Verbreitungsweg. Es gibt wahrscheinlich so viele unterschiedliche persönliche Motive für die Nutzung von Twitter und Facebook, wie es Twitter- und Facebook-Nutzer gibt.

Diez schwadroniert über die „alltäglichen kleinen Mitteilungen“, „die davon handeln, dass jemand krank ist oder der Morgen grau oder die Liebe weg“. Er scheint ein anderes Facebook und Twitter zu kennen als ich. Meldungen von Kontakten, die ausschließlich Banales ohne jeden Unterhaltungswert verbreiten, abonniere ich einfach nicht. Sie finden in einem Paralleluniversum statt, von dem ich nichts mitbekomme.

Hilfreich war dann endlich der letzte Absatz, da die persönlichen Befindlichkeiten von Georg Diez tief blicken ließen:

„Für mich aber stellen sich erst einmal ganz andere Fragen: Soll ich mein Profilfoto ändern? Warum ist es im narzisstischen Bildermedium Internet überhaupt so schwierig, das richtige Foto zu finden? Warum haben all meine Freunde Sonnenbrillen auf oder stehen im Halbdunkel? Sind 38 Freunde zu wenig? Vor allem aber: Was soll ich mit ihnen reden?“

Wenn ich solch merkwürdige Freunde hätte, würde ich mir auch derartige Fragen stellen! ;-)

Um mit einer positiven Note zu enden: Anders als kürzlich im Beitrag „Sueddeutsche.de: Das mit der Suche üben wir noch mal!“ beschrieben, fand ich Georg Diez’ Artikel ohne Probleme. Bei der Eingabe des Suchbegriffes „Facebook“ tauchte er auf Sueddeutsche.de als erstes Suchergebnis auf.

Written by Peter Jebsen

27. Januar 2009 um 23:42

7 Antworten

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  1. Aber, aber. Wer wird denn das journalistische Stilmittel der Übertreibung so ernst nehmen? Ist halt ein dahingekotzter, um Aufmerksamkeit bettelnder Befindlichkeitskrimskrams nach dem „Wir sind noch da!“-Motto. Faktenfrei doch Spaß dabei, das Q-Wort verkneif ich mir hier mal.

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    Falk Lüke

    27. Januar 2009 at 23:52

    • Is‘ klar. Der „Schrei nach Liebe“ war ja nicht zu überhören. Meine das journalistische Stilmittel der Übertreibung ignorierende Entgegnung sollte ein vielleicht unbeholfener Versuch sein, quasi therapeutisch ein bisschen Aufmerksamkeit zu zollen.

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      pjebsen

      28. Januar 2009 at 0:03

  2. […] so recht verstanden hat (ein Phänomen unter Journalistenkollegen, das ich schon mal im Beitrag „Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten“ beschrieb). „Egal, wo etwas Dramatisches passiert: Der Jedermann-Journalismus bringt Nachrichten […]

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  3. […] auch “Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten” […]

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  4. […] zum Thema Süddeutsche Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten (27. 1. 2009) Sueddeutsche.de: Das mit der Suche üben wir noch mal! (2. 1. […]

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  5. Hallo zusammen,

    die Diskussion hier ist schon bisserl älter. Dennoch würde ich gerne das Thema aufgreifen und würde mich freuen, wenn ihr mit mit darüber diskutiert.
    Ich bin Soziologe und gleichzeitig aber auch Online Marketer und verstehe somit beide Seiten.
    Auf meinem Blog habe ich die Reihe „Eine Soziologie von Facebook“ gestartet.
    http://profilneurosen.com/
    Schaut doch mal vorbei und redet mit. Gerne auch hier in diesem Blog

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    Profilneurose

    3. November 2009 at 23:05

  6. […] By pjebsen Gerhard vom Blog Profilneurosen wies in einem Kommentar zu meinem Blog-Beitrag „Twitter und Facebook sind nichts für Soziologen und Journalisten“ auf seinen eigenen Blog-Artikel „Lebenswelt Facebook“ […]

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