Stermann & Grissemann: “Piefke” & “Schneebrunzer”

Wie soll man Stermann & Grissemann denjenigen beschreiben, die sie nicht kennen und die auch nicht das Vergnügen hatten, sie heute Abend im Hamburger „Uebel und Gefährlich“ zu erleben?

  • Fürs traditionelle Kabarett deutscher Provenienz fehlen ihnen die Patina und das versöhnliche Gutmenschentum von Veteranen á la „Scheibenwischer“.
  • Für Comedy sind sie normalerweise nicht platt genug, obwohl sie auch das können.
  • Für Kleinkunst sind sie nicht klein genug, denn ihre bösen Kult-Videos werden bei YouTube millionenfach abgerufen.

Was macht nun den spezifischen Reiz des österreichisch-deutschen Satire-Duos aus?

Vielleicht sind Christoph Grissemann (auch bekannt als klarmobil-Choleriker Robert “Trenki” Trenkwalder) und Dirk Stermann das Beste aus beiden Welten. Die perfekte Kombination aus „Piefke“ und „Schneebrunzer“ (Begriffe, die ich mir selbstverständlich nicht zu eigen mache – ich zitiere nur aus dem heutigen Abend!!!) – also eine Mischung aus deutscher Rechthaberei und österreichischer Morbidität. Und eine Parodie darauf.

Um einen Eindruck zu bekommen, was Stermann & Grissemann in ihren besten Momenten verzapfen, sollte sich ein Einsteiger am besten den namengebenden Clip der aktuellen Tournee „Die deutsche Kochschau (Wie das Fernsehen uns zu Nazis machte.)“ anschauen. Man findet ihn auch auf der Homepage der Stermann & Grissemann Propagandaseite.

Ihr Nuss-Püree mit Dill verwursteten die beiden heute Abend auch live, dazu gab’s unter anderem Ausdruckstanz, Videoeinspieler (so meinen Ko-Favoriten „Das Dirkele“) …

… verbalen Kleinkrieg zwischen zwei sich eingeschnappt gebenden Rampensäuen, ein paar (zu sparsame) Improvisationen und eine Mini-Lesung aus „Debilenmilch: Auf den Spuren des Kaffeerösters Bruno A. Sauermann“.

Mich freute, dass dies auch in Hamburg funktionierte. Das letzte Mal sah ich das Duo in Berlin, wo es ein größeres österreichisches Publikum zu geben scheint als in Hamburg und wo daher weniger erklärt werden muss. (Kleines Indiz: Einen der wunderbaren Josef-Hader-Filme, „Komm süßer Tod“, durfte ich in Berlin in der Originalfassung sehen – in Hamburg lief er mit Untertiteln.)

Satz des Abends, geäußert von Christoph Grissemann in seiner Rolle als frustrierte Chefin der Volkshochschule am Friedhof der Namenlosen: >> Liebe ist, wenn man das, was man nicht hat, einem anderen gibt, der das nicht will. <<

Wikipedia-Fakt, aus aktuellem Anlass: >> Nach dem Regierungswechsel in Österreich im Jahr 2000 (Regierungsbeteiligung der FPÖ) wurden Stermann & Grissemann vom ORF aus politischen Gründen vom Dienst suspendiert. Als Grund dafür wurde angeführt, dass die beiden 1999 in einem satirischen Interview über Jörg Haider gesagt hatten: „Ich glaube, wenn man Haider derzeit stoppen wollte, dann müsste man ihn erschießen.“ Dieses Zitat erregte erst nach der Regierungsbildung großes Aufsehen, nachdem es vom damaligen FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler im Österreichischen Nationalrat als „Aufruf zum Mord“ interpretiert wurde. Nachdem die Staatsanwaltschaft die von der FPÖ angeregten Ermittlungen einstellte, wurde einige Monate später die Suspendierung der beiden Satiriker wieder aufgehoben. <<

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2 Antworten to “Stermann & Grissemann: “Piefke” & “Schneebrunzer””

  1. NiRAk Says:

    Mich freut es immer wieder von Grissemann und Stermann zu lesen, zu hören oder Sie zu sehen. Für mich gehören Sie zu den besten.

  2. joulupukki Says:

    Stermann & Grissemann gehören wirklich zum best of evil. Treffen meine Lachmuskel stets punktgenau. Und dass sie den üblichen Klamauk boykotieren rechne ich ihnen erst recht hoch an.

    Wunderbar sind ja auch ihre Salon Helga Programme auf FM4 – Hier z.B. der Anruf im Hamburger Hotel: http://www.youtube.com/watch?v=y_RdDRwGHdM

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