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(beta)

„Kärntner Gefühlsmenschen“ und „respektlose Schweine“

with 18 comments

Haiderwitzka, heute ist was los bei WordPress. Bis eben war dies der angesagteste Beitrag dieser netten kleinen Blog-Plattform:

Angesagter Haider

Berichter regt sich darin über die etwas geschmacklose und leicht grobschlächtige satirische Forderung „142 km/h auf Landstraßen!“ auf.

Mag sein, dass die Petitionäre damit wirklich daneben liegen. In Lindwurms Artikel „Haiders letzte große Show“ las ich von Berichten (Gerüchten?), denen zufolge Haider viel schneller gerast sein könnte, nämlich mit mehr als 170 km/h.

Eh wurscht, viel interessanter ist es, als Nicht-Österreicher aus der Ferne eine halbwegs seriöse Einschätzung Haiders zu erhalten. Hilfreich ist für mich dabei der erwähnte Lindwurm aus Kärnten, dessen Artikel „Die Haider-Hysterie“ ich besonders lesenswert finde: „Ich weiß, dass der Kärntner an sich ein Gefühlsmensch ist. Ich bin schließlich selber einer. Aber ist es euch nicht doch ein ganz klein wenig peinlich, dass ihr euch freiwillig so aufführt, wie es einst die Nordkoreaner beim Tod Kim Il-Sungs tun mussten? Die Trauerkerzenhersteller schieben schon Überstunden und in den Wirtshäusern werden Haiderbilder wie Altäre aufgestellt. Gehts noch?“

Bei der geschätzten buchstaeblich gibt es in den zahlreichen Kommentaren zum Beitrag “Hellraiser sollen wir betrauern?” den oft gehörten Vorwurf, Haider sei ein „Nationalsozialist“.

Durch (zugegebenermaßen) oberflächliche Recherchen habe ich nichts gefunden, was mir eindeutig beweisen könnte, dass Haiders jüngste Überzeugungen dem entsprachen, das z. B. in Wikipedia als Programm des Nationalsozialismus definiert wird.

Weiß jemand Erhellendes?

And now for something completely different (Monty-Python-Freunde kennen diesen Spruch). Oder auch nicht, denn mein „Fundstück des Tages“ stammt aus einer Sendung, deren Titel zu den aktuellen Vorkommnissen passt. Sie heißt „Unter Volldampf“. In der heutigen Sendung kommentierte eine der Hobbyköchinnen eine besonders profane Tätigkeit mit dem schönen Satz: „Das ist ja echte Syphilis-Arbeit!“

Schön, wenn man seine griechischen Sagen kennt …

Written by Peter Jebsen

14. Oktober 2008 um 19:54

18 Antworten

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  1. Ich empfinde dies nicht als satirische Forderung. Geschmäcker sind eben verschieden.

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    berichter

    14. Oktober 2008 at 21:43

  2. Ich wollte über den Herrn Haider eigentlich kein Wort mehr verlieren. Nicht, weil man über Tote nichts Schlechtes sagen soll (jene Logik hat sich mir seit jeher entzogen, sofern das ‚Schlechte‘ der Wahrheit entspricht), sondern weil der Herr Haider seit eh und je zuviel Plattform für seinen Konservativpopulismus erhalten hat.
    Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die freundlichste Regung, die ich dem Unfallbericht abringen kann mit ’stillschweigender Zustimmung‘ zu umschreiben. Nein, ich trauere um keinen Menschen, der Menschen verhetzt und Hass predigt…

    Na bravo – soweit zum Thema kein Wort mehr verlieren…
    Aber wenn wir schon dabei sind uns in die Reihe der Gedenkenden einzureihen, dann gedenken wir mal der zahlreichen schillernden Aussagen dieses Herren…


    Man darf sich nicht damit begnügen, dass Kärnten frei und ungeliebt bleibt. Dieses Land wird nur dann frei sein, wenn es ein deutsches Land sein wird.
    profil, 13. August 1984

    Die FPÖ ist keine Nachfolgeorganisation der NSDAP, denn wäre sie es, hätte sie die absolute Mehrheit.
    PK der FPÖ, 17. Februar 1985

    Das wissen Sie so gut wie ich, dass die österreichsiche Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache, und wenn man es jemandem freistellt, sich als slowenischer Österreicher zu bekennen, als ungarischer, als kroatischer, dann muss es auch möglich sein, sich als deutscher Österreicher zu bekennen. Und das ist auch das, was in unserem Programm formuliert ist.
    Inlandsreport, 18. August 1988

    Der Hitler war kein nationaler Mensch. Einer, der national ist, schenkt doch nicht Südtirol her.
    taz, 11. Januar 1989

    Die Freiheitlichen sind nicht die Schädlinge der Demokratie. Wir sind das Schädlingsbekämpfungsmittel. Bei uns regieren die Rothäute und die Schwarzen – nicht wie anderswo – wo sie in Reservaten leben.
    Die Presse, 10. September 1990

    Na, das hat’s im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen.
    Rede vor dem Kärntner Landtag, 13. Juni 1991

    Dass da keine Missinterpretation entsteht – das, was ich gesagt habe, war eine Feststellung von Tatsachen, dass im Dritten Reich eine grosse Anzahl von Arbeitsplätzen durch eine intensive Beschäftigungspolitik geschaffen worden ist und damit das Los der Arbeitslosigkeit beseitigt wurde – aus Anlass einer Debatte, die wir heute gehabt haben, dass in Österreich immer mehr Menschen arbeitslos werden, und gleichzeitig importieren wir immer mehr Ausländer, die dann unsere Arbeit machen sollen.
    ORF-Morgenjournal vom 14. Juni 1991

    Es wird immer deutlicher, dass das, was ich gesagt habe, eine historische Tatsache ist, an der es nichts zu rütteln gibt.
    Junge Freiheit, September 1991

    Kein Volk kann auf Dauer mit der Kriminalisierung seiner eigenen Geschichte leben, und damit muss auch in Österreich einmal Schluss sein.
    Neue Freie Zeitung, 15. Januar 1992

    Die, die da hinten schreien, werden – wenn ich etwas zu sagen habe – ihre Luft noch brauchen. Zum Arbeiten.
    Der Standard, 5.10.1994

    Ich war bei Freunden in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, mit meiner Familie zusammen, weil ich ein bisschen erproben wollte, wie das Zusammenleben mit den Schwarzen so ist, wenn sie die Mehrheit haben. Mit den Schwarzen ist das wirklich so ein Problem. Selbst dort wo sie die Mehrheit haben, bringen sie nichts zusammen. Da ist einfach wirklich Hopfen und Malz verloren.
    Zeit im Bild 2, 1. Mai 1995

    Das Recht der Inländer auf Heimat ist stärker als das Recht der Ausländer auf Familienleben. Deshalb sollten wir von der europäischen Menschenrechtskonvention abgehen.
    Salzburger Nachrichten, 6. Oktober 95

    Die Waffen-SS war Teil der Wehrmacht und es kommt ihr daher alle Ehre und Anerkennung zu.
    ORF, 19. Dezember 1995

    Es gibt kein wie immer geartetes Lob des Jörg Haider an die Waffen-SS oder sonst irgend etwas. Sie wissen, dass das Ganze, würde ich sagen, inszeniert worden ist aus hochpolitischen Gründen.
    Mittags-ZiB, 9. Januar 1996

    In Österreich gibt es 300.000 Arbeitslose und 300.000 offizielle Ausländer.
    Freiheitlicher Pressedienst, 1. Mai 1996

    Die FPÖ nimmt das Papstwort von der Nächstenliebe ernst – denn Nächstenliebe manifestiert sich letztlich in unserem Anspruch: Österreich zuerst. Wir kümmern uns um die Nächsten im eigentlichen Sinn des Wortes, das heisst um Österreicher, beziehungsweise um jene Österreicher, die über eine legale Aufenthaltsgenehmigung verfügen.
    Zeit im Bild 2, 29. Oktober 1997

    Jeder Asylant holt sofort seine Familie nach und lässt sie gesundheitlich sanieren. Auf Kosten der tüchtigen und fleissigen Österreicher.
    Kleine Zeitung Graz, 12. Januar 1998

    Wer nicht arbeitet, wird sich wieder ans Arbeiten gewöhnen müssen. Weiters ist dieses System auch ein Signal an die Jugend (…) und an alle Sozialschmarotzer, denen man sagen muss: Der Fasching ist aus, und jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.
    Freiheitlicher Pressedienst, 29. Oktober 1998

    Und nicht zuletzt:

    Ein „tragischer Vorfall“, aber man soll „also nicht dauernd, also Krokodilstränen für einen, äh, abgeschobenen Drogendealer“ vergießen.

    Jörg Haider 1999 zum Ableben Marcus Omofumas, der bei seiner Deportation, zusammengeschnürt und mit Klebeband geknebelt, gestorben war. Drogendealer war Omofuma übrigens keiner…

    Was soll ich dazu noch sagen? Wie gemeingefährlich sich die feige Tour auswirkt, simple Gemüter mit vermeintlichen Feindbildern anzustacheln, auf die sichs dann praktisch runterspucken und die eigenen Probleme vergessen lässt, sollten wir mittlerweile nur zu gut wissen.

    Meinen herzlichen Glückwunsch an jene kärntner Slowenen, die nun wieder ein bisschen freier atmen können und jene BürgerInnen, die gottseidank NICHT auf der Straße waren, als das ehrenwerte Vorbild der Kärntner mit 142 Sachen ins Ortsgebiet einfuhr – 2,4km von jener Stelle entfernt, an der er bereits 1993 einen schweren Unfall verursachte.

    In diesem Sinne nun von mir: Keine Krokodilsträne!

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    joulupukki

    14. Oktober 2008 at 22:24

  3. @jou: Das meinte ich mit „erhellend“. Danke!

    Kennst du den Kommentar von Robert Misik?

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    pjebsen

    14. Oktober 2008 at 22:36

  4. Habs gerade erst gelesen. Ja, soviel Gleichmut, Reife und Größe (ver)mag ich leider garnicht aufzubringen. ^^

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    joulupukki

    14. Oktober 2008 at 23:04

  5. Joulu,

    magst du nicht doch einen Blogbeitrag aus deinem Kommentar machen? Büddebüddebüdde ….

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    buchstaeblich

    14. Oktober 2008 at 23:12

  6. Nö, ich geh jetzt schlafen. Gute Nacht! ;-p

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    joulupukki

    14. Oktober 2008 at 23:23

  7. […] (beta) « “Kärntner Gefühlsmenschen” und “respektlose Schweine” John Cleese vs. Sarah Palin […]

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  8. Für „Haiderwitzka“ ist immer noch keiner hier aufgetaucht, der die Pietätskeule kreisen lässt? Schau‘ mal einer an!

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    buchstaeblich

    15. Oktober 2008 at 1:02

  9. @buchstaeblich: Siehste, manchmal sind die Pietisten doch ein Stück weit unberechenbar.

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    pjebsen

    15. Oktober 2008 at 1:13

  10. Die Pietätskeule schwingt eh die BZÖ (warum fällt mir dabei immer Kim Il-sung ein?) und diverse Nachrichtensender und Printprodukte (hatte im Urlaub z.B einen Bericht gesehen), die einem weismachen wollen, daß „ganz Österreich trauert“. Ha!

    Danke Jou für die vielen Zitate, die ja nur ein kleiner Teil sind von den diversen Ausflüssen dieser Leute. Lesenswert auch Armin Thurnhers (Falter-Herausgeber) Bericht: http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=789

    Ich fürchte nur, seine Nachfolger werden nicht besser, hoffe, sie haben weniger Charisma (das Hr. Haider ja oft auch von seinen Gegnern zugesprochen wurde. – Ich habe ihn nie in echt erlebt, mich aber auch nie darum bemüht). Das Potential ist da – wenn sogar einer wie Strache soviel Stimmen bei der Wahl bekommt.

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    wrnr

    15. Oktober 2008 at 9:25

  11. Hauptmann Haider hackevoll:

    Bei dem Rechtspopulisten wurden 1,8 Promille Alkohol im Blut festgestellt.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,584336,00.html

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    pjebsen

    15. Oktober 2008 at 15:11

  12. Pietätlos ist höchstens, wer Haiders verbrecherische Raserfahrt verniedlicht. Er verhöhnt damit die Opfer, die durch solche Typen gekillt wurden.

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    Letze Widmung

    16. Oktober 2008 at 0:15

  13. Letzte Widmung,
    das macht hier ja nun keiner.

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    buchstaeblich

    16. Oktober 2008 at 0:50

  14. […] Als Grund dafür wurde angeführt, dass die beiden 1999 in einem satirischen Interview über Jörg Haider gesagt hatten: „Ich glaube, wenn man Haider derzeit stoppen wollte, dann müsste man ihn […]

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  15. Jetzt wirds dann langsam absurd … der Bestatter scheint auch gern einen über den Durst zu trinken (siehe Schild)

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    joulupukki

    16. Oktober 2008 at 21:05

  16. Joulu, da musste ich jetzt wirklich dreimal hinschauen – meine Güte, das ist aber wirklich heftig! Jetzt sage ich aber wirklich von Herzen: Die arme Familie!

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    buchstaeblich

    16. Oktober 2008 at 21:20

  17. @jou: Tolles Fundstück! (Auch ich hab was länger gebraucht … ;-) )

    Gefällt mir

    pjebsen

    16. Oktober 2008 at 21:43

  18. Bei dem Fauxpas kann man ja nur froh sein, dass der Mann nicht im August gestorben ist. DAS hätte die Gerüchteküche gleich nochmal heftig geschürt…

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    joulupukki

    16. Oktober 2008 at 23:32


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