Filmtipp: “Wake Up Sid” – Bollywood Goes Indie

Ich versuche, in diesem Blog meine Bollywood-Begeisterung nicht allzu detailliert zu thematisieren, da es dafür sicherlich geeignetere Spezialforen gibt.

Ab und zu tauchen jedoch Bollywood-Filme auf, die ich ohne Bedenken auch all den Kino-Fans empfehlen kann, die sich für Hindi-Popular-Kino aus Mumbai bisher noch nicht so erwärmen konnten.

Ein solcher Streifen ist die von Star-Regisseur Karan Johar produzierte romantische Komödie „Wake Up Sid“, die am 2. Oktober 2009 in Indien anlief und dort laut Wikipedia in den ersten beiden Wochen an den Kinokassen die Nummer eins war. Und das, obwohl (oder weil?) der Film mit einigen Bollywood-Standards bricht. Er enthält keine Musik- und Tanznummern, und statt des sonst üblichen überfrachteten Masala-Stil-Mischmaschs erzählt er seine kleine Geschichte geradlinig, sensibel und fast zurückhaltend.


Die Story dreht sich um einen verwöhnten Industriellensohn, der plötzlich auf eigenen Beinen steht und sich im aktuellen Mumbai durchschlagen muss.

Eigentlich ein sehr abgenudelter Plot, der aber im reifen Regiedebüt von Ayan Mukerji perfekt umgesetzt wird – angefangen beim überzeugenden Schauspieler-Team. Für Hauptdarsteller Ranbir Kapoor ist „Sid“ erst seine dritte große Hauptrolle, die er zwar charmant verkörpert, bei der er sich aber gegenüber seiner weiblichen Partnerin, der wie immer großartigen Konkona Sen Sharma, angenehm zurückhält. Dritter im Bunde ist Veteran Anupam Kher, der in seinen sporadisch Auftritten als Vater glänzt.

Auch sonst stimmt alles, vom frischen Drehbuch über die Kameraarbeit, die das urbane Leben in Mumbai stimmungsvoll bebildert, bis zur raffiniert-eingängigen Musik des erfahrenen Teams Shankar-Ehsaan-Loy.

Die DVD zum Film ist als UK-Import ab Montag, 4. Januar 2010, bei Amazon.de zu haben.

Als Kontrastprogramm sah ich gestern mit über dreieinhalb Jahren Verspätung auch noch einen anderen Kassenschlager, nämlich Kunal Kohlis „Fanaa“. Was Überlänge (knapp drei Stunden) und Irrwitz der Handlungssprünge anbetrifft, überforderte der Film damals selbst manch hartgesottenen Bollywood-Fan.

„Fanaa“ beginnt in der ersten Hälfte mit einer typischen Bollywood-Romanze. In der zweiten Hälfte kommt es zu einer unglaublichen Wende, durch die man sich wie in einem anderen Film fühlt – im wahrsten Sinn des Wortes.

Die Los Angeles Times brachten es vortrefflich auf den Punkt, ohne zu viel zu verraten: >> “Fanaa” is equal parts MGM extravaganza, Shakespeare lite and James Bond. In their heart of hearts, isn’t that what movie audiences really want?” <<

Wenn man filmische Konventionen, Realismus und Glaubwürdigkeit einmal beiseite lässt, funktioniert „Fanaa“. Es ist ein Kinodrama der großen Gefühle – und eine weitere überzeugende Leistung von Hauptdarstellerin Kajol, einer meiner Bollywood-Favoritinnen. Auch der Soundtrack des Bruder-Team Jatin-Lalit gefällt.

Aus der Abteilung „Kurz, aber uninteressant“: Die Szenen, die in den Bergen von Kaschmir spielen, wurden in Polen gedreht. Die angespannte Lage an den Originalschauplätzen war Kajol laut Wikipedia zu gefährlich. In der polnischen Tatra gab es auch Schnee und Berge, also musste sie als Kaschmir-Darstellerin herhalten.

Den Film gibt es in verschiedenen Ausführungen bei Amazon, die preisgünstigste kostet 7,95 Euro (Kauf-Link).

“Wake Up Sid” bei Amazon

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“Fanaa”-Soundtrack bei emusic

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